Industrielle Wabenkörper

Die Porzellanfabrik Frauenthal hat sich 2009 mit einem Umsatzplus von knapp 50 % vom wirtschaftlichen Umfeld völlig abgekoppelt. Wie kam diese erfreuliche Entwicklung zustande?

Führer1: Unser Kerngeschäft sind SCR-Katalysatoren für kalorische Kraftwerke, Müllverbrennungs- und Industrieanlagen. Die laufenden Kraftwerksprojekte wurden trotz der Wirtschafts- und Finanzkrise fortgeführt, da der Energiebedarf weltweit weiter steigt und sich die Boomregion Asien, mit China als Hauptmarkt, mit hohen Zuwachsraten sogar überaus dynamisch entwickelt. Die Krise kann hier höchstens die Dynamik etwas bremsen. Unser Markt wird von den Emissionsnormen getrieben, und hier hat uns gerade die Umweltgesetzgebung in Asien ein enormes Marktpotenzial eröffnet. Aber auch in unseren traditionellen Märkten Europa und den USA wurden neue Projekte realisiert. In diesen Regionen spielt natürlich auch der Ersatzbedarf eine wichtige Rolle.

Mehr als 40 % des Umsatzes wurde in China erzielt. Wie ist die Porzellanfabrik in diesem Zukunftsmarkt aufgestellt?

Sailer2: Wir produzieren derzeit zu 100 % an unserem Standort in Frauental. In China betreiben wir seit 2006 gemeinsam mit einem chinesischen Partner ein Liaison Office in Peking. Bereits 2006 begann China – aufgrund einer entsprechenden Umweltpolitik – erste Referenzanlagen mit SCR-Katalysatoren auszurüsten. Wir haben mit Huaneng Power International den größten chinesischen Energieversorger als Kunden gewonnen. Man schätzt dort unsere Produktqualität. Für den Markteinstieg ist bis auf weiteres der Export aus Österreich

die richtige Strategie, da noch abzuwarten ist, wie schnell das enorme Potenzial dieses Marktes auch tatsächlich durch den gesetzlich vorgeschriebenen Einsatz von SCR-Katalysatoren realisiert werden kann.

In das Werk in Frauental wurde in den letzten Jahren viel investiert. Was bedeuten diese Projekte für die Porzellanfabrik?

Führer: Bereits 2008 wurden etwa MEUR 4,5 in den Ausbau der Kapazitäten investiert. Dies war Voraussetzung für das massive Wachstum – denn wir haben 2009 unsere Anlagen in der Katalysatorenproduktion voll ausgelastet. Aufgrund der positiven Marktentwicklung und vor allem nach dem gelungenen Einstieg in den chinesischen Markt haben wir uns zum Ausbau unserer Produktpalette entschlossen. So haben wir etwa MEUR 2,3 in eine neue Produktionsanlage zur Herstellung von Plattenkatalysatoren investiert. Dieser für uns neue Katalysatortyp ist vor allem für Kraftwerke geeignet, bei denen Kohlen mit hohem Ascheanteil verfeuert werden. Wir haben damit besonders auf dem chinesischen Markt gute Chancen, aber auch auf den Märkten in Europa und Übersee. Damit sind wir einer von zwei Herstellern weltweit, der sowohl im mobilen als auch im stationären Bereich alle Typen von SCR-Katalysatoren anbieten kann. Wir haben zugleich in unsere eigene Wertschöpfung investiert und ein eigenes Metallbearbeitungszentrum errichtet, in dem wir bisher fremdbezogene Modulteile – die Verpackungseinheiten der Kraftwerkskatalysatoren – selbst herstellen. Modulteile beziehen wir übrigens auch von unserer Schwestergesellschaft, der Linnemann-Schnetzer-Gruppe, aus Ahlen.

1) Geschäftsführer der Porzellanfabrik Frauenthal GmbH
2) Vorstandsmitglied der Frauenthal Holding AG und verantwortlich für den Bereich Industrielle Wabenkörper Frauenthal



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Sie erzeugen in Frauental eine breite Produktpalette. Was tut sich abseits der Kraftwerkskatalysatoren?

Sailer: Eine weitere, überaus wichtige Produktreihe sind SCR-Katalysatoren für Dieselmotoren. Hier hat die Krise mit einem Umsatzrückgang von rund -50 % im Jahr 2009 natürlich ihre Spuren hinterlassen. Wir haben aber die beiden Produktbereiche organisatorisch integriert, sodass wir alle Anlagen voll auslasten können und uns der Rückgang bei den Dieselkatalysatoren somit nicht trifft. Die wichtigste Aufgabe in diesem Bereich ist die Entwicklung der neuen Produktgeneration für die ab 2013 geltende Euro-VI-Abgasnorm für schwere Nutzfahrzeuge. Wir gehen davon aus, dass die extrem reduzierten Stickoxid-Grenzwerte nur mit dem Einsatz großvolumiger SCR-Katalysatoren erreicht werden können. Hier befinden wir uns mit bestehenden, aber auch mit neuen Kunden in enger Entwicklungskooperation. Von der Krise betroffen sind unsere nicht-katalytischen Wabenkörper – Wärmetauscher und Gießereifilter. Durch die starke Abhängigkeit von der Automobil- und Bauindustrie erlitten wir hier 2009 Umsatzeinbußen von etwa -40 %.

Factbox

Die Porzellanfabrik Frauenthal GmbH bildet zusammen mit ihren Tochtergesellschaften die Umweltsparte des Frauenthal- Konzerns. Die Gesellschaft hat sich in den letzten zehn Jahren zu einem globalen Anbieter entwickelt. Im Zuge der Expansionsstrategie wurden Tochtergesellschaften in den USA (Ceram Environmental Inc., Kansas) und Südkorea (Ceram Frauenthal Korea Co. Ltd., Seoul) gegründet. Darüber hinaus betreibt die Gruppe seit 2006 ein Liaison Office in Peking. Die Porzellanfabrik Frauenthal GmbH hat eine knapp 90-jährige Tradition in der Herstellung von technischer Keramik. 1985 gelang mit der Produktion von SCR-Katalysatoren in Wabenkörperform der Einstieg in ein neues Geschäftsfeld, das durch nicht-katalytische Wabenkörper – Wärmespeicher und Gießereifilter – sukzessive ausgebaut wurde. 2005 wurde der für Nutzfahrzeuge entwickelte SCRDieselkatalysator erfolgreich auf dem Markt eingeführt.

Die Porzellanfabrik Frauenthal GmbH ist einer der weltweit führenden Anbieter von Industrieller Wabenkeramik. Zu ihren Hauptprodukten zählen:

Die Umweltgesetzgebung wird weltweit laufend verschärft. Welche Chancen ergeben sich daraus für die Porzellanfabrik Frauenthal?

Führer: Japan und Europa sind die Vorreiter bei der Umsetzung strenger Stickoxid- Grenzwerte für kalorische Anlagen, Müllverbrennungs- und Industrieanlagen sowie Dieselmotoren. Asiatische Länder beginnen jetzt, diesem Trend zu folgen und früher oder später werden auch Südamerika, Osteuropa sowie Russland in die Verbesserung ihrer Luftqualität investieren. Kurzfristigeres Wachstumspotenzial sehen wir aber in den Off-Road-Anwendungen – also z.B. Schiffen, Baumaschinen und landwirtschaftlichen Maschinen. Für einige Bereiche gibt es bereits entsprechende Gesetze – so bestehen schon Abgasvorschriften für Schiffe, die bestimmte Häfen in Europa und den USA anlaufen wollen. 2009 konnten wir etwa bereits MEUR 1,5 mit Katalysatoren für Schiffe erzielen. Wir sind überzeugt, dass sich die Gesetzgebung in den nächsten Jahren auch den Emissionen dieser Bereiche zuwenden wird. Aufgrund unserer langjährigen Erfahrung mit der SCR-Technologie sowie unserer breiten Produktpalette verfügen wir hier über eine sehr gute Wettbewerbsposition.

SCR-Katalysatoren
Frauenthal Katalysatoren werden beim sogenannten SCRVerfahren (Selective Catalytic Reduction) eingesetzt. Diese Technologie wird bei kalorischen Kraftwerken, Müllverbrennungsanlagen, stationären Dieselmotoren, Industrieanlagen sowie schweren Nutzfahrzeugen genutzt. Dabei werden die in den Rauchgasen enthaltenen Stickoxide zu Stickstoff und Wasserdampf, beides natürliche Bestandteile der Luft, umgesetzt. Damit wird ein wesentlicher Beitrag zur Verminderung des bodennahen Ozons, des sauren Regens und des Treibhauseffekts geleistet.

Wärmespeicher
Keramische Wärmespeicher werden bei der regenerativen Nachverbrennung von Abgasen zur Rückgewinnung thermischer Energie eingesetzt.

Gießfilter
Gießfilter werden in Gießereien für die Erzeugung hochqualitativer Gussstücke aus Leichtmetall-, Grau- und Sphäroguss eingesetzt.



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